Breath of Fire
Capcoms erstes Rollenspiel für Super Nintendo und generell der erste Teil der bekannten Breath of Fire Reihe. Teil 1 erschien 1993 in Japan und 1994 in den USA aber nicht in Europa. Erst 2001 wurde das Spiel für GBA in der PAL-Region veröffentlicht. Ziemlich merkwürdig, denn der zweite Teil erreichte den europäischen Markt. War Teil 1 nicht gut genug?
Atmosphäre / Story
Leute in einem Dorf werden versteinert und der blauhaarige Protagonist macht sich auf, die Sache aufzuklären. Dabei kriegt er mit, dass einige seltene Reliquien benötigt werden, Gleichgesinnte schließen sich ihm an und er rettet ein Königreich nach dem anderen.

Besonders schön ist, dass es optionale Gebiete gibt, die man nicht betreten muss, doch insgesamt bleibt der Ablauf sehr linear aber gut erzählt. Allerdings ist die Handlung ziemlich hin-und-her springend denn richtige Antagonisten gibt es nicht wirklich. Es ist ständig „irgendjemand“, erst am Ende begegnet man wieder den Böseweichten aus dem Intro, was dramaturgisch etwas flach fällt.
Trotzdem gibt es eine recht gute Abenteuerstimmung, die besonders von den lebhaften und vielen Charakteren lebt, denen man begegnet und die sich einem anschließen. Obendrein gibt es einen durchgehenden Tag-Nacht-Wechsel, welcher sich besonders in Städten auswirkt.
3,25 / 5
Grafik
Mit der Entstehung dieser neuen Spielreihe kam auch ein eigener Grafikstil, dieser ist gar nicht so sehr an den Umgebungsgrafiken erkennbar, sondern an den Charakteren. Die haben einen ganz eigenen Stil und sind ziemlich schlank verglichen mit den etwas chubby wirkenden Menschen in Dragon Quest III.

Generell sind die Umgebungen halbwegs detailliert und die Charaktermodelle der NPCs wiederholen sich nicht allzu oft, was für viel Varianz und Wiedererkennungswert sorgt. Nur die Dungeons sehen etwas leer aus, wie leider häufig in rundenbasierten Rollenspielen. Die Kampfbildschirme sind in einer originellen isometrischen Perspektive angeordnet, was für eine schöne Übersicht sorgt und weniger platt wirkt als ins Mystic Quest Legend oder Final Fantasy IV.

Animierte Sequenzen sind eher eine Rarität aber dafür haben die Partymitglieder alle ihre kleinen netten Porträts. Ein solides Ergebnis.
3,5 / 5
Spielmechanik / Gameplay
Rundenbasierte Kämpfe mit normalen Angriffen, Magie und Items. Blocken kann man auch, wird aber kaum benötigt. Die Nutzung der Zauber ist mit Abstand die interessanteste und effektivste Kampfmethode, genauso wie die Nutzung der Transformationen, welche einige Charaktere beherrschen.

Die Kämpfe laufen jedoch ziemlich gemächlich ab, sodass es manchmal etwas träge wirkt, doch glücklicherweise gibt es einen Autokampf Modus, welcher einem viel Arbeit abnimmt. Diesen nutzt man dann auch überwiegend, da die Kämpfe nicht so viel Planung oder Taktik erfordern, bis auf die Bosskämpfe. In der Hinsicht also wirklich Standardkost.

Was man nicht direkt zu Anfang von Breath of Fire bemerkt sind die vielen Skills der spielbaren Charaktere. Denn jeder kann irgendwas Besonderes, was sich in Dungeons oder auf der Weltkarte als nützlich erweist. So kann bspw. einer der Charaktere mit Pfeil und Bogen schießen und somit Wildtiere auf Distanz erledigen und ein anderer kann brüchige Mauern zerschlagen, einer kann über Hindernisse schwimmen usw. Das ist cool, passt zur Persönlichkeit der Person und macht es wichtig alle Charaktere mal zu spielen. Auch löblich ist die stark verwobene Weise in der die Orte der Welt miteinander verknüpft sind.
3,25 / 5
Musik und Soundeffekte
Breath of Fire hat einen wirklich umfangreichen Soundtrack mit über 50 Tracks. Einige Melodien erinnern leicht an Castlevania oder Lufia, kommen jedoch kein Stück von der Epik und Pathos an die Musik dieser Spiele heran. Dies ist größtenteils der einseitigen Instrumentenwahl geschuldet aber auch der dumpfen Qualität der Lieder.
Was die Soundeffekte angeht, klingt alles gut. Gerade Capcom war immer meisterlich, was die SFX in Spielen angeht, doch das Ergebnis in Breath of Fire liegt eher im mittelguten Bereich.
3,15 / 5
Steuerung
Breath of Fire kriegt präzise Hitboxen hin und eine sehr gute Steuerung der Charaktere durch Dungeons und durch das Kampfgeschehen. Aber man geht leider viel zu langsam, was wirklich nervig sein kann für jedes Fetch-Quest oder wenn man gerade nicht so sicher ist, wohin man gehen soll.


Was aber immer wieder für Verwirrung sorgt, ist die Nutzung von Symbolen und Abkürzungen in allen Menüs. Dadurch fragt man sich ständig „Was war noch gleich die Bedeutung davon?“ und dann muss man herumprobieren. Bei Items stand ich teilweise bis zum Ende des Spiels auf dem Schlauch. Will ich „B-Stn“ kaufen? Was ist „C-Fsh“? Oh toll, ich habe „Snapr“ gefunden. Aha, wer kann jetzt den „PowerDR“ oder „SpineCL“ ausrüsten? Was soll das sein? … und das nervt. Dadurch muss man ständig herumprobieren welcher Gegenstand für wen geeignet ist und dann raten (oder sich merken) was die Abkürzungen bedeuten sollen. Wie „DR“ für „Dagger“ und „CL“ steht wahrscheinlich für „Clothes“ oder „Cloth“… das bremst manchmal schon den Spaß aus.
3,5 / 5
Spaßfaktor
Obwohl einige Komponenten etwas unausgereift wirken, ist Breath of Fire eine solide Rollenspielerfahrung aber insgesamt nur minimal überdurchschnittlich. Nichts schießt wirklich heraus, bis auf die Tatsache, das alle Charaktere unterschiedliche Skills haben, welche sich auf die Weltnavigation auswirken.

Die Kampfkomplexität hält sich in Grenzen. Dennoch ist es spaßig aufgrund der teilweise guten Details und den vielen kleinen Momenten mit denen man nicht rechnet. Insgesamt wirkt Breath of Fire aber etwas steif und die meisten Partymitglieder kommen charakterlich zu kurz, sodass der Unterschied zu Dragon Quest III, in dem alle Charaktere außer dem Protagonisten keine eigene Story haben, nicht so groß ausfällt.
2,75 / 5
Bewertung und Fakten
Capcom hat hier den Grundstein einer erfolgreichen Rollenspielreihe geliefert und es ist auch einigermaßen verständlich wieso. Doch den großen Schritt in die richtige Richtung wird wohl erst der zweite Teil gemacht haben.

- Viele unterschiedliche Charaktere mit eigenen Skills
- Guter eigener Charme
- Schön strukturierte Welt
- Man geht viel zu langsam
- Einiges an Grinding nötig
- Abgekürzte Itemnamen
Ohne den eigenen Charme und den anthropomorphen Rassen, wäre dieses etwas zu gewöhnliche Rollenspiel wahrscheinlich in die Versenkung der obskuren 16-Bit RPGs geraten. Breath of Fire war ein guter Schritt aber bei weitem kein Schritt den jeder Spieler unbedingt unter die Lupe nehmen muss.
Genre: Rollenspiel (rundenbasiert)
Preis: circa 60€ bis 80€ für ein US-Original auf ebay
Schwierigkeit: Mittel
Atmosphäre / Story: 3,25 / 5
Grafik: 3,5 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 3,25 / 5
Musik und SFX: 3,15 / 5
Steuerung: 3,5 / 5
Spaßfaktor: 2,75 / 5
Gesamt: 3,23 / 5
Submit your review | |



Poe
Es gibt eine tolle deutsche Fan-Übersetzung für Breath of Fire für das SNES von snes-projects. Hierbei ist ein optionaler „Dash-Patch“ verfügbar, das heißt, der Char kann während dem Spiel sprinten, was dem ganzen ein wenig mehr Tempo gibt.
Hier ist der Link dazu:
(https://snes-projects.de/filebase/index.php?file/578-breath-of-fire-t-ger1-10-snes-projects-de/)