Jet Pilot Rising
Der legendäre Dieter von Laser veröffentlichte im Jahr 2013 dieses Homebrew Spiel zum 23. Geburtstag des Super Nintendo im Rahmen eines Coding Wettbewerbs. Der Schöpfer des Spiels war bereits unter anderem Namen bei mir im Interview und ich habe mir dieses ältere Release von ihm für eine Durststrecke aufgehoben. Das Spiel erhielt 2018 ein Update. Besonderer Gag? Man spielt das Spiel mit nur einer Taste!
Atmosphäre / Story
Es ist nicht ganz klar wieso aber hier wird ein Kätzchen auf eine Rakete gesetzt und muss sich durch komplexe Level manövrieren.

Was im ersten Moment wie ein Flappy Birds Klon wirkt, entpuppt sich ziemlich schnell als stilistisch wertvolles Kunstwerk. Ich will nicht zu sehr übertreiben aber wie Dieter von Laser Jet Pilot Rising gestaltet hat, ist ziemlich einzigartig für SNES und hat dadurch seinen ganz eigenen poetischen Charme, welcher sicher wunderbar durch das gesamte Spiel zieht.
Meine Interpretation der Handlung ist, dass diese Katze eine verstorbene Katze ist (eine Katze, die Dieter von Laser gehörte?), welche sich ins Totenreich begibt. Daher auch die religiösen Engelsmotive und Totenköpfe, die durchweg das Spielgeschehen zieren. Auch die Zitate beschäftigen sich mit dem Tod. Am Ende ist die Katze mit einer anderen Katze zu sehen, womöglich ein zuvor verstorbener Partner der Katze und im Tod sind sie wieder vereint? Und das süße Bild am Ende ist es wirklich wert, das Spiel durchzuzocken 🙂
4,5 / 5
Grafik
Obwohl das Spielkonzept von Jet Pilot Rising reichlich simpel ausfällt, so ist das grafische Design umso interessanter. Speziell die Hintergrundmotive erinnern stark an verzierte Epitaphe in gotischen Kirchen. Besonders liebenswert ist die detaillierte Darstellung der Katze auf der Rakete, welche sich immer entsprechend der Raketenneigung festklammert, also somit aus ziemlichen Zwischenbildern besteht.

Sofort fällt der Sepiaschleier auf und lässt das Spiel aussehen, als würde man es über eine alte Filmrolle abspielen. Das kommt ziemlich kool rüber und ich bin mir an der Stelle nicht sicher, ob ich etwas Ähnliches schon in anderen SNES Games finden konnte – aber ich glaube ich nicht!
Das Spiel performt gut und kommt auch mit schönen Gegnergrafiken, welche gar nicht hätten so schön sein müssen, da diese nicht viel mehr tun als ihre Position zu halten, um als Hindernis zu dienen. Teilweise wurden die Artworks von pixeljoint.com entnommen.
4,25 / 5
Spielmechanik / Gameplay
Jet Pilot Rising bietet ein sehr gewöhnliches Gameplay, da man eine von selbst nach rechts fliegende Rakete, nach oben/unten lenken muss, um Hindernissen auszuweichen. Diese Hindernisse können statische Hintergrundobjekte sein oder auch herumstehende oder sich in Mustern bewegende Gegner sein.

Was das Spiel jedoch besonders macht, verglichen mit all den Flappy Birds Klonen, ist die verdammt gute Raketenphysik. Denn die Art, wie sich die Rakete steuert, fühlt sich so unfassbar natürlich und intuitiv an. Man muss somit immer genau einberechnen, wie der Fall- und Steigungswinkel ausfallen, um durch engere Passagen zu kommen und das ergreift einen durchaus. Abgesehen davon existieren keine Powerups, Bosse oder andere Dinge. Der Fokus liegt klar auf der Geschicklichkeit des Spielers.
2,5 / 5
Musik und Soundeffekte
Die Musik stammt von einem Künstler namens Stargazer. Einige Tracks erinnern mich ein wenig an die Lieder aus dem Die Schlümpfe Spiel, nur dass die Lieder in Jet Pilot Rising, deutlich peppiger und abgespaceter ausfallen. Mit einem Soundtrack von 7 Liedern ist dieses relativ kurze Spiel sogar gut aufgestellt. Was natürlich trotzdem insgesamt nicht so viel ist aber jedes Level hat sein eigenes Lied, genauso wie das Intro und der Endbildschirm. Mehr kann man nicht verlangen.
Natürlich gibt es in diesem Spiel einige „Miaus“ zu hören, welche jedoch lustigerweise so klingen als hätte ein Mensch diese gesprochen. Aber auch die anderen Soundeffekte sind nicht verkehrt. Ich fand es nur etwas schräg, das die Rakete selbst kein Triebwerkgeräusch von sich gibt aber vielleicht hätte dies auf Dauer gestört? Wirklich ein sehr gelungenes Klangbild.
4,06 / 5
Steuerung
Womöglich der ungewöhnlichste Punkt an Jet Pilot Rising ist die Steuerung, denn man benötigt nur eine Taste. Welche der Tasten A, B, X, oder Y man drückt damit die Rakete etwas Schube kriegt, bleibt einem selbst überlassen. Es war sogar das Ziel des Machers ein Spiel zu erschaffen, welches man mit nur einer Taste spielen kann.
Das klingt für den einen oder anderen vielleicht zu simpel, doch gerade Creepy Bird ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit einer Taste auch viel falsch machen kann. Doch in diesem Spiel ist der Raketenschub dermaßen intuitiv, sowohl vom Anstieg als auch vom Fall, dass man sich nicht beschweren kann. Im Gegenteil, das Feeling ist richtig angenehm.
5 / 5
Spaßfaktor
Die Wertung von 2,5 mag zwar gering aussehen aber das soll nicht bedeuten, dass das Spiel keinen Spaß macht. Im Gegenteil, das tut es ganz gewaltig! Es gibt nur 2 Haken an der Sache: Jet Pilot Rising ist ein sehr kurzes Spiel, das bedeutet, wenn man nicht stirbt, kann man es problemlos in circa 10 Minuten durchzocken. Und das andere Ding ist, es ist ein echt schwieriges Spiel, wodurch man sehr oft auf die Nase fallen wird und da dies geschicklichkeitsbedingt ist, kann das sogar zu einer riesigen Hürde werden an einigen Stellen, denn die 3 Leben sind schnell verbraucht…
Speicherfunktion oder Passwörter gibt es nicht, daher muss man es am Stück durchspielen und dies macht es zu einem Spiel, das dem Spieler einiges an Gamingskills abverlangt.

Natürlich relativiert der hohe Schwierigkeitsgrad den kurzen Spielumfang und man wird wahrscheinlich einige Stunden benötigen, bis man gut genug ist, Jet Pilot Rising durchzuzocken.
2,5 / 5
Bewertung und Fakten
Es gibt Spiele, die bei erstmaliger Betrachtung den Eindruck erwecken, sie wären nichts Besonderes und erst bei genauerer Betrachtung zu erkennen geben, was da eigentlich für ein Juwel dahintersteckt und genau dies gilt auch für Jet Pilot Rising.

- Ungewöhnlich attraktiver Style
- Paar tolle Grafiken
- Katze auf Rakete
- Grandioser Soundtrack
- Sehr simples Gameplay
- Ziemlich schwierig
Natürlich wird das Gameplay dadurch nicht interessanter aber faszinierend bleibt dieses One-Button-Game trotzdem, besonders aufgrund all der stilistischen Elemente.
Genre: Arcade / Geschicklichkeit
Preis: Kostenlos zum Download
Schwierigkeit: Schwer
Atmosphäre / Story: 4,5 / 5
Grafik: 4,25 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 2,5 / 5
Musik und SFX: 4,06 / 5
Steuerung: 5 / 5
Spaßfaktor: 2,5 / 5
Gesamt: 3,80 / 5
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