Secret of Mana

1994 veröffentlichte Square dieses legendäre Action-Rollenspiel bei uns in Europa, nachdem es bereits ein Jahr zuvor in den USA und Japan erschienen war. Das Spiel wurde ebenfalls von Square (bzw. Squaresoft damals) entwickelt. Viele blicken mit großer Sympathie auf Secret of Mana zurück und bezeichnen es als das beste SNES Spiel überhaupt. Doch ist das die Wahrheit oder spricht da die Nostalgie aus den Gamern?

Nach all den Jahren wollte ich mir mal den Spaß machen und Secret of Mana auf Englisch durchspielen, einfach um zu sehen, ob sich die Texte merkbar von der deutschen Version unterscheiden. Die Übersetzung ins Englische stammt von Ted Woolsey, welcher ungefähr so berüchtigt für seine Übersetzungen war, wie Claude M. Moyse für seine Übersetzungen ins Deutsche.

Atmosphäre / Story

Secret of Mana startet direkt mit einer äußerst klassischen Fantasy Story: Junge zieht mysteriöses Schwert aus einem Stein und entfesselt somit sein Schicksal. Er wird daraufhin aus seinem Dorf verbannt und muss einen bösen Overlord aufhalten, welcher mithilfe eines unbeliebten Imperiums die Welt erobern möchte. Dazu holt sich der Held die Hilfe zweier Damen, die mit ihm reisen und unterstützen. Da dies nicht reicht, gönnt sich die Truppe noch die Unterstützung diverser Magiegeister. Diese hocken weltweit in Tempeln und warten nur darauf eingesammelt zu werden.

Der Name des Imperators fällt nur 1 oder 2 mal im Spiel…

Somit eine ziemlich oberflächliche Abenteuerhandlung. Dies zeichnet sich besonders im Handlungsablauf ab, denn dieser ist teilweise wirr gestrickt, genau wie die Übersetzungen selbst. Viele Zusammenhänge und Hintergründe werden kaum erläutert. Besondere Charaktere, zu denen man halbwegs eine emotionale Bindung aufbaut, sind zu selten. Mit Dyluck (auf Deutsch Hagen) und seiner Freundin hatte man dies fast erreicht aber diese Charaktere wurden viel zu selten im Laufe der Handlung aufgegriffen. Dann tauchen häufiger mal Handlanger des Imperiums auf, genauso wie ein mysteriöser Räuberboss. Über die Intentionen, Zusammenhänge oder weitere Hintergründe erfährt man nicht mehr, sie sind einfach nur da und treiben Unfug. Und dann ist da noch dieser Thanatos…

Ich muss zugeben, dass ich damals, als ich das Spiel zum ersten Mal zockte, nicht in der Lage war, einem Kumpel die Handlung zu erklären. Dies lag daran, dass alles eher auf Action ausgelegt ist und die Charaktere eigentlich nix Interessantes zu sagen haben. Wirklich schade. Wen es interessiert, es gibt einiges an Parallelen zu Sword of Mana (bzw. Mystic Quest für Game Boy), wie den Mana Baum, Imperator Vandol, die Zwerge, Watts, etc.

Doch glücklicherweise liefert das Spiel atmosphärisch einiges. Die Kombination aus den niedlichen Designs, der schönen Farbgebung, die unfassbar vielen grafischen Details und der atemberaubende Soundtrack verleihen diesem Spiel weiterhin ein äußerst wohliges Feeling. Der einmalige Stil ist gewissermaßen die Kirsche auf der Sahnetorte.

Die Kritik an der oberflächlichen Story ist nicht nur meine subjektive Meinung. Secret of Mana war damals eigentlich für die Nintendo Playstation CD-ROM Erweiterung geplant, somit sollte das Spiel wesentlich umfangreicher werden. Doch das CD-ROM Add-on kam niemals heraus. Wahrscheinlich wurden sogar, um das Spiel auf dem SNES zum Laufen zu bringen, viele Inhalte gekürzt. Genau das spürt man als Erwachsener Spieler deutlich mehr als damals, als Kind. Ein gutes Beispiel dafür ist die Weltkarte, welche voller Inseln ist, die keinen Zweck erfüllen. Somit auf Handlungsebene sehr wenige Punkte und für die Atmosphäre volle Punktzahl, ergibt eine leicht überdurchschnittliche Gesamtwertung.
3,5 / 5

Grafik

Man benötigt nur 1-2 Screenshots, um direkt zu erkennen, dass Secret of Mana grafisch an vorderster Front der SNES Spiele steht. Ein Detailgrad wie dieser, ist in actionlastigen Spielen häufig Mangelware, doch hier erhält man die volle Packung.

Das Fliegen auf der Weltkarte ist grandios gelungen und macht richtig Spaß.

Obendrein gibt es tonnenweise unterschiedliche Gegner und Bosse, die sich alle super in die Welt einfügen. Diese sehen oft interessant aber manchmal auch lustig aus. Natürlich kann man bemängeln, dass einige Gegner einfach nur in verschiedenen Farbvarianten auftauchen aber das ist bei einem Spiel dieses Umfangs völlig in Ordnung.

All dies wäre nicht mal so unglaublich, würde man nicht die Performance betrachten, welche bis auf in wenigen Momenten einwandfrei verläuft, trotz der vielen Echtzeit-Kämpfe. In seltenen Fällen kommt es zu grafischen Überlagerungen, die man als Fehler betrachten darf. Im Wüstendorf, werden manchmal die Grafiken fehlerhaft geladen, was aber selten auftritt und soweit ich feststellen konnte nur dort.
4,75 / 5

Spielmechanik / Gameplay

Dieses Action-Rollenspiel hat eine für SNES Verhältnisse sehr ungewöhnliche Art und Weise, in der man kämpft. Man schlägt nämlich in Echtzeit zu, während das Wählen von Zaubern das Spiel anhält und diese danach gewirkt werden. Es ist dadurch nicht rundenbasiert, aber es erinnert stark an RTwP Kampfsysteme, wie man sie aus Baldurs Gate, Mass Effect, Pillars of Eternity und anderen neueren und komplexeren Videospielen kennt. Das Original war den Spielen seiner Zeit in dieser Hinsicht somit enorm voraus. Denn diese Weise Zauber zu wirken ermöglicht ein ausgeprägtes taktisches Kalkül, wie man es sonst nicht in Actionspielen erleben durfte. Mir fällt kein älteres RTwP Spiel ein – somit war Secret of Mana womöglich das Erste seiner Art.

Über das Ringmenü taktisch den richtigen Zauber wählen.

Nur die beiden Damen dürfen Zauber wirken. Die Blonde wirkt passive, unterstützende Zauber und die Koboldin wirkt Schadens- bzw. Kampfzauber. Alle Zauber können aufgelevelt werden und werden somit auch stärker. Zum Ende hin, ändert sich sogar die Animation der Zauber, um die volle Pracht der magischen Power visuell zu untermalen. Komischerweise kann der Protagonist nix Besonderes, wodurch er spielerisch hinter den Damen hinterherhinkt. Ich frage mich, ob Squaresoft noch etwas anderes für den Jungen geplant hatte, denn er wirkt dadurch unfertig. Dies führt dazu, dass man meist eine der Damen spielt und den Protagonisten dadurch vernachlässigt.

Auflevelübersicht der Waffen und Magie.

Der Umgang mit den Waffen kann aufgelevelt werden und zwar durch die Benutzung der Waffen. Damit dies nicht direkt von Anfang an auf maximale Stufe möglich ist, werden Orbs benötigt, welche die nächsten Waffenstufen freischalten. Dies ist für jede Waffe in selbigem Umfang möglich. Einige Waffen haben zudem besondere spielerische Eigenschaften. So kann das Schwert Büsche weghacken, die Axt bestimmte Felsen zerstören und mit der Peitsche kann man sich über Abhänge ziehen.

Die Vielfalt an Items lässt ebenfalls keine Wünsche offen, lediglich das kleine Inventar ist etwas problematisch. Speziell die konsumierbaren Gegenstände können nur zu je 4 Stück mitgeschleppt werden und das langt meist nicht.
4,25 / 5

Musik und Soundeffekte

Secret of Mana ist generell für 2 Dinge bekannt: Die Tatsache, dass man das Spiel zu dritt spielen kann und den fantastischen Soundtrack. Letzterem kann ich wirklich nichts hinzufügen. Ich habe mir die Mühe gemacht, den kompletten Soundtrack durchzuhören. Dabei hatte ich von den 44 äußerst kreativen und atmosphärischen Kompositionen an höchsten 2-3 Stück minimal etwas auszusetzen.

Komponist Hiroki Kikuta hat hier wirklich eine Meisterleistung auf die Beine gestellt. Die teilweise sehr mysteriösen Klänge, als auch die unbeschwerten, fröhlichen Melodien, welche die Welt des Spiels zieren sind einzigartig. Ich bin kein Musikexperte aber die Auswahl der Instrumente, die Komplexität und Dramaturgie der Lieder sind auf hohem Niveau und lassen sich auch mal bei der Arbeit oder beim Sport anhören. Die Qualität ist sogar dermaßen gut, man könnte meinen es handle sich um eine remastered Version. Selbiger Komponist war auch für den schönen Soundtrack von Romancing SaGa verantwortlich, was man ebenfalls direkt hört.

Eine Sache, welche häufig bei Spielesoundtracks missachtet wird, ist die Lieder unterschiedlich klingen zu lassen. Dieser Punkt wurde hier absolut erfüllt! Und dann gibt es noch die Soundeffekte, welche dem Soundtrack kein Stück hinterherhängen. Alles hat seinen eindeutigen Sound und nichts klingt wirklich unpassend. Wenn Zauber gewirkt werden, kann man Gänsehaut kriegen und selbst das Abschneiden von hohem Gras hat einen eigenen Soundeffekt – grandios! Ein unbeschreiblicher Ohrwurmfaktor.
5 / 5

Steuerung

Secret of Mana hat einige Problemchen hinsichtlich der Steuerung. Diese liegen besonders darin, dass die Begleiter an Ecken stecken bleiben und man deswegen ständig ein Stück zurückgehen muss, damit die KI den richtigen Weg findet. Man gewöhnt sich zwar dran aber stören tut es dennoch, heute garantiert mehr als früher.

Da hängt die Alte wieder fest und ich kann nicht weiter...

Obendrein ist der Kamerafokus unvorteilhaft, sodass dieser erst dann mitgeht, wenn man sehr weit am Rand des sichtbaren Bereichs ist. Dadurch erkennt man nicht einwandfrei wo man hingeht und kann leider auch in Gegner hineinlaufen.

Nicht richtig zu sehen, wo man hingeht, ist manchmal echt nervig.

Das Aufladen der Waffen ist ganz kool aber häufig scheitert man daran, denn es dauert einfach ein Stück zu lange.
3,75 / 5

Spaßfaktor

Sollte jemand behaupten, Secret of Mana würde keinen Spaß machen, wäre dies gelogen. Hier wird so ziemlich alles geliefert, was man braucht und sowohl diejenigen, die eher auf langsame Spiele stehen, als auch die Actionhungrigen, werden großartig bedient. Obendrein gibt es die Möglichkeit mal ein Action-Rollenspiel nicht nur zu zweit, sondern sogar zu dritt zu spielen. Da gibt es keine Konkurrenz auf dieser Konsole.

Die bunte und äußerst freundliche Fantasywelt von Mana ist dermaßen bezaubernd, dass es schwerfällt irgendwas daran nicht zu mögen. Obendrein sind die Kämpfe auch noch auf einem komplexen und anspruchsvollem Niveau, denn einfach nur draufbolzen geht nicht. Es müssen immer die Schwachstellen erkannt und ausgenutzt werden. Dies ist ein großer Unterschied zu anderen top-down Action Titeln wie beispielsweise Zombies ate my Neighbours.

Etwas Feuermagie kann nicht schaden.

Aber alles zu loben wäre übertrieben, es existieren durchaus einige Spaßbremsen. Das wären beispielsweise die teilweise rar gesäten Speichermöglichkeiten. Anfangs geht das noch, doch umso weiter man voranschreitet, desto häufiger entstehen Situationen, in denen die Abstände zu groß werden. Mit Emulator und Save States natürlich kein Problem aber eigentlich sollte es so nicht laufen.

Die Tatsache, dass man häufig zum Grinden gezwungen wird, kann teilweise sehr nervig sein. Speziell die Bosse können in Secret of Mana sehr herausfordernd sein. Die teilweise flache Story wirkt wie eine verwirkte Chance. So gerne hätte ich paar solide Informationen zur Spielwelt von NPCs erfahren, doch häufig kommen ziemlich belanglose Texte dabei zustande, die wie Lückenfüller wirken. Und wenn dann einer der Begleiter schon wieder an einer Ecke hängen bleibt… kann man echt sauer werden. Trotzdem ein sehr gutes Gesamtergebnis.
4 / 5

Bewertung und Fakten

Mit ziemlicher Sicherheit ist Secret of Mana die unanfechtbare Nummer 1, wenn es um 2-Spieler und 3-Spieler Rollenspiele für Super Nintendo geht. Aber solo? … ist das Spiel immer noch verdammt gut. Der Soundtrack und der Stil verzaubern einen schnell und lassen den Spieler niemals los.

Immer weise die richtige Waffe wählen.
  • Wunderschöne Grafik
  • Toller ganz eigener Stil
  • Grandioses taktisches Kampfsystem
  • Unterschiedliche Waffenhandhabung
  • Zu dritt spielbar
  • Handlung ist viel zu dünn
  • Der Hauptcharakter kann nix
  • Viel Grinding notwendig
  • Kamerafokus blockiert Sicht
  • Partner bleiben an allen Ecken hängen

Aber es wäre gelogen, wenn man verschweigen würde, dass das Spiel zum Teil unfertig wirkt und offensichtlich viel größer hätte werden sollen. Einige Balancingprobleme und die nervige KI der Partner können zudem gelegentlich zu Frustmomenten führen. Aber dann levelt man wieder eine Waffe auf und will sehen, wie der neue Auflade-Move aussieht… und schon ist man wieder gefesselt.

Bis auf diverse popkulturelle Anspielungen, wie auf die Serie „Lindenstraße“, hat mir in der englischen Version übrigens nichts gefehlt. Meine Hoffnung, dass die englische Sprachversion eine etwas klarere Story bietet wurde leider nicht erfüllt aber glücklicherweise war es auch nicht schlechter als die deutsche Textversion.

Wer eine bessere Version dieses Spiels zocken möchte, sollte sich Secret of Mana Plus widmen, einem Romhack der das Original um einige Inhalte erweitert.

Genre: Rollenspiel / Action
Preis: circa 20€ bis 40€ für die PAL-Version auf ebay
Schwierigkeit: Mittel bis schwer

Atmosphäre / Story: 3,5 / 5
Grafik: 4,75 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 4,25 / 5
Musik und SFX: 5 / 5
Steuerung: 3,75 / 5
Spaßfaktor: 4 / 5

Gesamt: 4,21 / 5

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