Tactics Ogre: Let Us Cling Together
Die Ogre Battle Spielreihe sagt nur wenigen Gamern im Westen etwas. Dies kann einerseits daran liegen, dass es nur wenige Ableger dieser Spielreihe gibt aber auch daran, dass der letzte wirklich neue Teil der Reihe 2001 herauskam. Aber Remakes gab es einige, und so schafften es auch Remakes von Tactics Ogre auf die PSP und sogar auf die Switch. Entwickelt und veröffentlicht wurde das Original von der nicht so bekannten Quest Corporation und kam 1995 ausschließlich in Japan auf den Markt.
Die grandiose Übersetzung von Aeon Genesis macht es möglich das Spiel auch auf Englisch zu spielen.
Atmosphäre / Story
Direkt zu Beginn des Spiels wird man mit einer erstklassigen Inszenierung konfrontiert. Die Charaktere verfügen über viele Animationen in den Zwischensequenzen. Obendrein werden alle Charaktere mit großartigen Porträts bebildert. Kurz gesagt geht es in Tactics Ogre darum, dass ein Reich seinen König verloren hat und sich die drei größten Gruppierungen des Reiches untereinander bekriegen. Der Protagonist und seine Schwester spielen eine wichtige Rolle und beeinflussen den Verlauf der Ereignisse maßgeblich.


Die Dialoge sind ausführlich, realistisch und in der englischen Übersetzung großartig ausformuliert, vor Schimpfworten und schwierigen Themen wie Tod, Sklaverei und Völkermord wird zudem nicht Halt gemacht – sehr ungewöhnlich für ein Spiel seiner Zeit. Dadurch kommt die komplexe und vielschichtige Handlung sehr gut und authentisch rüber. Die Handlung ist tatsächlich so komplex, dass es gar nicht so leicht ist ihr zu folgen, wenn man paar Tage nicht gezockt hat.
Aber nicht nur das, es gibt mehrere Entscheidungen, die man treffen kann. Davon sind zwei maßgeblich relevant für den Handlungsverlauf und spalten das Spiel in die drei verschiedenen Routen auf, die auch wirklich unterschiedliche Storyabläufe und Missionen mitbringen, nämlich „Law“, „Neutral“ und „Chaos“. Die unterschiedlichen Spielenden werden zudem davon beeinflusst, wen man im Team hat. Hier wird kein Wunsch offen gelassen.
5 / 5
Grafik
Tactics Ogre liefert eine zeitlose 2D-Grafik in isometrischer Perspektive. Diese ist so schön, dass sie durchaus mit zeitgemäßen 2D-Strategie-Rollenspielen standhalten kann. Die Sprites sind sehr detailliert und verfügen über viele verschiedene Animationen. Der Aufbau der Spielumgebung erinnert an ein Spielbrett, wirkt aber keineswegs generisch, stattdessen erhält man eine detailverliebte Umgebung.

Performanceeinbrüche gibt es nicht und die bereits erwähnten Zwischensequenzen sind richtig gut umgesetzt worden und werden von kaum einem anderen SNES-Spiel übertroffen. Aber nicht nur das, der Style ist richtig schön und konsistent gehalten, ohne die Charaktere in irgendeinen kindlichen Chubby-Look zu ziehen. Alle Zauberanimationen können sich absolut sehen lassen, besonders die späteren mächtigen Zauber.

Der einzige Makel, der unfassbar selten auftritt und das Spielgeschehen nicht beeinträchtigt, sind Grafikfehler im Menü oder auf der Weltkarte. Ich bin mir nicht sicher, wodurch diese getriggert werden (und ob diese eventuell vom Übersetzungspatch stammen) aber mir sind diese nur 5x begegnet. Das ist nicht viel und da sie durch Verlassen des Menüs verschwunden sind, war es nicht so wild. Aber einen Abzug muss es trotzdem geben.
4,5 / 5
Spielmechanik / Gameplay
Ähnlich wie in Fire Emblem Thracia 776 ist das Gameplay rundenbasiert aufgebaut. Die circa 50 Charakterklassen, verfügen über unterschiedliche Angriffsmöglichkeiten, Ausrüstung, Zauber etc. Herkunft und Elementaffinität entscheiden über die genaueren Charakterwerte und deren Entwicklung. Einige Charaktere schließen sich handlungsbedingt an, andere wiederum kann man anheuern.


Klassenwechsel sind möglich und nicht fix, wodurch man ständig zwischen Klassen wählen kann, insofern man die notwendigen Anforderungen erfüllt. Dies ist nicht so umfangreich ausgebaut, wie in modernen Games aber für seine Zeit, war das umwerfend viel. Der Fokus liegt klar auf der Strategie und man wird seine Strategien im Spielverlauf oft anpassen müssen. Denn einige Missionen haben sehr schwierige und kritische Aufhänger, an die man sich mit mehreren Versuchen herantasten muss und das kann manchmal anstrengend werden. Tut man das nicht, schafft man es vielleicht aber hat viel zu viele Gruppenmitglieder verloren, wodurch der Sieg sich kein Stück nach Sieg anfühlt, denn tote Gruppenmitglieder kommen nicht zurück.
Eine wichtige Spielmechanik fiel mir erst verdammt spät im Spiel auf, nämlich dass man Charaktere im Kampf anwerben kann. Dies ist abhängig von ihrer Loyalität ihrem Anführer gegenüber, wie viele Lebenspunkte sie noch haben und wie dicht man an ihnen dransteht. Wirklich praktisch, um Charaktere auf höherem Level mit guter Ausrüstung zu rekrutieren.
4,5 / 5
Musik und Soundeffekte
In Tactics Ogre mutet die Musik durchgehend mittelalterlich an. Oft dramatisch, entsprechend der Handlung aber konsequent orchestral und episch. Eine Gesamtleistung, die sich absolut sehen lassen kann. Der Umfang des Soundtracks ist mit 52 Liedern enorm. Hitoshi Sakimoto und Masaharu Iwata haben hier ganze Arbeit geleistet. Die Lieder sind nicht in dem Sinne melodisch, dass man von ihnen Ohrwürmer kriegen könnte aber dafür tragen sie umso mehr zur Atmosphäre bei.
Mit den Soundeffekten hat man alles richtig gemacht, egal ob im Menü oder im Kampfgeschehen, alles ist eindeutig und untermalt das Geschehen genau richtig. Besonders die SFX der Item- und Magienutzung haben einen tollen Sound, der wirklich „magisch“ klingt und an die Soundeffekte zukünftiger Final Fantasy Spiele erinnert.
4,62 / 5
Steuerung


An der Steuerung gibt es nichts auszusetzen. Rundenbasierte Strategiespiele benötigen keine dynamische Steuerung. Alles läuft über Menüs ab und diese sind sehr einfach zu durchschauen und im Falle von Tactics Ogre nicht zu langsam.
5 / 5
Spaßfaktor
Die vielen Entscheidungen und taktischen Möglichkeiten werden dazu führen, dass man echt oft in eine knifflige Entscheidungsnot gerät, die einen ins Schwitzen bringen kann. Einerseits, da die Missionen teilweise echt schwierig sind, andererseits da man möglichst ohne Verluste aus einer Mission herausgehen will. Denn wenn ein Charakter besiegt wird, ist er endgültig tot. Und damit auch die Mühe, die man in die Figur hineingesteckt hat. Zudem wird man stellenweise nicht darum herumkommen, sich von dem einen oder anderen Verbündeten verabschieden zu müssen und das hinterlässt immer einen bittersüßen Geschmack des Abschieds.

Mit mehr als 50 Spielstunden bietet Tactics Ogre unfassbar viel Spielinhalt und dann gibt es noch die verschiedenen Wege die man einschlagen kann, unterschiedliche Charakterentwicklungen, Leute die man anwerben kann etc. An Abwechslung mangelt es nicht und somit wird jeder Spieldurchlauf ein Stückchen anders ablaufen. Lediglich die Spielgeschwindigkeit könnte höher sein, ein bisschen kann man diesbezüglich auch in den Menüs einstellen aber das wäre auch der einzige echte Kritikpunkt, neben der grundsätzlichen Frage: Wo zum Geier sind in dem Spiel die Oger?!
4,5 / 5
Bewertung und Fakten
Es gibt Spiele, die man ein wenig anzockt oder einmal durchzockt und nie wieder anfasst. Tactics Ogre: Let Us Cling Together gehört definitiv nicht dazu, denn die Welt dieses Spiels lässt einen nicht so schnell wieder aus seinem Bann. Einerseits aufgrund der fesselnden Welt, andererseits aufgrund der anspruchsvollen Kämpfe, die man irgendwie bestehen möchte und wenn möglich mit minimalen Verlusten.

- Gigantischer Umfang
- Nicht-linearer Ablauf
- Sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten
- Tolle Inszenierung
- Ganz seltene kleine Grafikfehler
- Keine Oger?
Dieses Strategie-Rollenspiel ist in dieser Form konkurrenzlos (soweit mir bekannt) auf dem Super Nintendo und wird den Spieler sehr lange an den Bildschirm fesseln. Eine wirklich tiefgründige Spielerfahrung. Eine Schande, dass das dieses Spiel damals nicht außerhalb Japans veröffentlicht wurde.
Genre: Strategie-Rollenspiel (rundenbasiert)
Preis: circa 25€ bis 35€ für ein original japanisches Modul bei ebay
Schwierigkeit: Schwer
Atmosphäre / Story: 5 / 5
Grafik: 4,5 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 4,5 / 5
Musik und SFX: 4,62 / 5
Steuerung: 5 / 5
Spaßfaktor: 4,5 / 5
Gesamt: 4,69 / 5
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