The Blue Crystal Rod
Im April 2025 kam die erste englische Übersetzung von Supper für The Blue Crystal Rod heraus. Das Spiel erschien im Original 1994 ausschließlich in Japan und stammt aus dem Hause Namcot. Das Spiel ist der Nachfolger von The Return of Ishtar, welches wiederum der Nachfolger von The Tower of Druaga ist. Alles Spiele, die für andere Systeme erschienen sind. Kann man endlich mit der Übersetzung den Anschluss an diese Spielreihe finden?
Atmosphäre / Story
Direkt zu Beginn scheinen die Helden des Vorgängerspiels ihr Abenteuer fortzusetzen. Das ist ein merkwürdiger Einstieg, für jeden der die vorigen Spiele nicht kennt. Doch so kompliziert ist die Handlung nicht, man findet schon irgendwie rein.


Hinsichtlich der Inszenierung wird nicht viel animiert, aber es werden außerordentlich viele Grafiken benutzt, um Cutscenes zu simulieren, was recht gut gelingt. Somit hat man oft Sequenzen die an Slideshows erinnern und einen guten Detailgrad bieten. Leider bietet die Handlung sehr wenig Substanz, was im Adventure Genre gar nicht gut ist. Überwiegend geht es darum Gegenstände zu finden, weil das irgendwie hilft und ich hab schon wieder vergessen wozu… weil alles dramaturgisch so belanglos hingetextet wird und das liegt nicht an der hervorragend gelungenen Übersetzung!
3 / 5
Grafik
Verglichen mit einigen Dungeoncrawler RPGs, welche eine ähnliche Perspektive nutzen, ist The Blue Crystal Rod deutlich angenehmer zu betrachten. Dies funktioniert so gut, weil ein großer Teil des Bildschirms für Rahmen und Texte reserviert ist, dadurch kann der kleine Umgebungsausschnitt halbwegs detailliert aussehen.

All die Grafiken in den Dialogszenen sehen ganz in Ordnung aus, sind aber stilistisch nicht immer konsistent. Trotzdem bleibt ein guter Eindruck gewahrt. Doch richtig animiert wird hier kaum was, denn alles läuft ziemlich steif ab und wirkt wie ein Bilderbuch.
4 / 5
Spielmechanik / Gameplay
Wer hier in Ansätzen ein rundenbasiertes Kampfsystem erwartet, wie in Rollenspielen, liegt komplett daneben. Es gibt keine Skills, keine Magie, keine Ausrüstung. In The Blue Crystal Rod basiert alles auf Gesprächen und undefinierten Angriffen. Häufig scheint es wichtig zu sein, auszumachen ob ein Kampf notwendig ist.

Doch meistens erweisen sich die Dungeonpassagen als verwirrend und unbefriedigend, da man irgendwie nur orientierungslos durchläuft. Manchmal bekommt der Protagonist moralische Skrupel, wenn er einen Gegner besiegt und ich konnte nicht herausfinden, wozu die Scheiße gut ist.
1,5 / 5
Musik und Soundeffekte
21 Lieder mit zum Teil sehr nach Tröte klingenden Instrumenten dudeln so vor sich hin. Einige schaffen es, nach Fantasy Abenteuer zu klingen, andere klingen eher merkwürdig. Besonders die Soundqualität ist deutlich hinter dem was man sonst für SNES Standards so kennt, was The Blue Crystal Rod keinen schlechten aber auch keinen sonderlich genießbaren Klang verleiht.
2,99 / 5
Steuerung
Was für eine Scheiße. Die Bilder erwecken den Eindruck, hier könnte es eine Steuerung geben, wie in einem Dungeoncrawler-Rollenspiel, wie bspw. Arcana. Aber das ist eine Täuschung, die Wahrheit sieht viel irritierender aus.

Es ist nicht einmal einfach zu erklären, wie man The Blue Crystal Rod steuert. Stellt euch vor, man guckt die ganze Zeit nach Norden. Und jetzt kann man rückwärts und vorwärtsgehen und seitlich nach links und rechts. Man kann sich nicht drehen, man bleibt nach vorne fixiert. Lediglich wenn man manchmal nach links oder rechts geht, kann eine Drehung stattfinden, welche absolut nicht offensichtlich ist und automatisch stattfindet. So wird selbst ein kleines Dorf zu einem Brechreiz förderndem Labyrinth. Das ist inakzeptabel und raubt dem Spiel jedes Potenzial. Menüs oder ein Inventar gibt es nicht. Es ist als würde man Brandish in 3D steuern.
0,5 / 5
Spaßfaktor
Eine Himmelsrichtung-fixierte Perspektive, kombiniert mit der daraus resultierenden Steuerung treiben einen regelmäßig zur Weißglut. Irgendwie kommt man zwar weiter im Spiel aber meinerseits war das meist ein Zufallsergebnis.

Die Kämpfe, die keine echten Kämpfe sind und die undurchschaubaren Dialoge, die keine richtigen Anzeichen darauf geben, was falsch oder richtig sein könnte, frustrieren nur und belohnen den Spieler gar nicht. Als ich gegen einen Slime kämpfte und der Protagonist daraufhin Gewissensbisse bekam, weil er gewonnen hat, war der lächerlichste Gamingmoment seit langem für mich und das Tief jeder Spannungskurve.
1 / 5
Bewertung und Fakten
Es hat schlappe 30 Jahre gedauert, bis endlich eine Übersetzung von The Blue Crystal Rod herauskam. Eine wirklich gut gelungene Übersetzung sogar, damit jeder feststellen kann, was für ein bescheuertes Spiel The Blue Crystalrod ist. Trotzdem vielen Dank an Supper 🙂
- Viele schöne Grafiken
- Gute antike Fantasywelt
- Umfangreicher Soundtrack
- Undurchschaubere Gespräche
- Fürchterliche Steuerung
- Plattes Gameplay
- Fake Kämpfe mit Moralkomplexen
Dieses Spiel sollte als abschreckendes Beispiel in Gamingstudiengängen betrachtet werden, denn es zeigt wunderbar auf, was man alles falsch machen kann. Denn selbst eine gute Kombination aus Grafik und Musik können dieses Spiel nicht mehr retten. Jeder der etwas Ungewöhnliches spielen will, soll natürlich sein Glück versuchen… denn ungewöhnlich ist dieser Quatsch alle mal und auf eine ungewollt schräge Weise sogar eine interessante Erfahrung, nur eben nicht gut.
Genre: Adventure / Visual Novel
Preis: –
Schwierigkeit: Mittel
Atmosphäre / Story: 3 / 5
Grafik: 4 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 1 / 5
Musik und SFX: 2,99 / 5
Steuerung: 0,5 / 5
Spaßfaktor: 1 / 5
Gesamt: 2,08 / 5
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