Dark Half Repro PAL Modul

Dark Half

Die Welt der Rollenspiele mit isometrischer Perspektive ist auf dem Super Nintendo recht klein. Umso verwunderlicher, dass Dark Half von Enix veröffentlicht wurde und von den wenig bekannten Programmierern von Westone Bit Entertainment stammt. Ein Studio dessen größte Erfolge Wonder Boy und Dungeon Explorer waren. Dark Half wurde erst 1996 veröffentlicht und blieb somit Japan vorbehalten. Die in Europa bekannten Spiele, die von Enix gepublished wurden, waren ziemliche Kracher (Soul Blazer, Illusion of Time, Terranigma, Actraiser…) – kann sich Dark Half dort mit einreihen?

Atmosphäre / Story

Das Spiel ist in Kapitel aufgeteilt, die alle ihren eigenen Fokus haben. Vorrangig gibt es dabei 2 Protagonisten. Der Held der Geschichte namens Falco und der mysteriöse nach 1000 Jahren wieder auferstandene humanoide Dämon mit Namen Rukyo. Beide werden abwechselnd gespielt und verfolgen gegenteilige Ziele, durchstreifen aber z.T. dieselben Gebiete.

In Dark Half ist die Inszenierung dermaßen gut gelungen, dass es schwierig ist einen Vergleich zu ziehen. Die Effekte, die häufigen Dialoge und wie die Storysequenzen inszeniert sind, einfach genial.

Die mysteriöse und teils sehr finstere Atmosphäre des Dämonen wechselt sich wunderbar mit der hoffnungsvollen und hellen Darstellung der Heldenkapitel ab. Zusätzlich entfaltet sich die Handlung auch noch interessant, ist wendungsreich und bleibt spannend.
5 / 5

Grafik

Eine isometrische Perspektive in einem SNES Rollenspiel lässt mich generell eher an die fürchterlich schiefe Grafik der Ultima Teile denken. Aber mit dem Mist hat Dark Half nichts am Hut.

Das Licht zieht wunderbar schimmert durch den Raum, was ein starrer Screenshot nicht gut verdeutlichen kann.

Alle Charaktere sind stilistisch in einer gesunden Mischung aus Comicstil und realistisch anmutendem Design a la Diablo 1 anzutreffen. Die Bewegungen sind flüssig und es gibt viele verschiedene Menschen und Gegnergrafiken, welche nichts zu wünschen übrig lassen.

Aktueller denn je.

Aber die Umgebung ist der wahre Knaller von Dark Half, denn derartig detaillierte Gebäude im isometrischen Stil hätte ich auf dem SNES nicht für möglich gehalten. Obendrein ist die Umgebung auch noch leicht belebt durch kleine Animationen, welche einen richtig schicken Eindruck machen.

Schicke Kirche mit Lichteffekten.

Derartige Lichteffekte, wie hier, sehen unfassbar gut aus. Auch die Details der Statuen, herumsitzende Kätzchen und andere Sachen, wurden stimmungsvoll in Szene gesetzt. Ein richtiger Knaller, als würde man einen Vorgänger von Baldur’s Gate spielen.
5 / 5

Spielmechanik / Gameplay

Die Art und Weise, in der sich Dark Half spielt, ist ziemlich einmalig und ist keine Standard Rollenspielkost. Das liegt vor allem daran, dass man 2 Charaktere abwechselnd spielt, die sich grundlegend anders spielen.

Von dem Geräusch der Seelenabsaugung kann man Alpträume kriegen.

Falco, der Held, muss für Ordnung sorgen, kann Zauber wirken und Ausrüstung tragen und sogar upgraden, seine Mitstreiter ebenfalls. Rukyu, der böse Dämonenlord hingegen erlernt nichts, sondern rekrutiert durchgehend Monster. Zusätzlich kann er normalen Dorfbewohnern das Leben aussaugen, um die Schrittanzeige aufzufüllen. Wenn Rukyu erstmal ein Dorf verwüstet hat, kann Falco von den Leichen Hoffnungsschimmer einsammeln. Die gesammelte Anzahl bestimmt das Ending des Spiels, wovon es 4 (oder mehr) gibt.

Die Schrittanzeige wird pro Feld, das man geht, um einen Punkt gesenkt, erreicht diese 0, so hat man verloren. Somit wird die Zeit indirekt ein relevanter Faktor, aber nicht so, dass es einem permanent auf den Sack geht und das ist richtig gut gelungen.

Rätsel für Schlaue.

Die Dungeons sind grundsätzlich von zufälligen Kämpfen durchzogen, welche zahlreich sind aber nie richtig langweilig werden, da man sich nicht idiotisch durchklicken kann, wie in Mystic Quest oder Slayers. Man muss schon nachdenken und gucken, wie man agiert. Zusätzlich sind die Dungeons reich an Rätseln und alter Falter, haben es diese Rätsel in sich. Auch wenn die Rätsel schwierig sind und nicht gerade selten mit der Perspektive spielen, so empfand ich diese nie als ätzend oder frustrierend.

Richtiges D&D Vokabular.

Weder der Held noch Rukyu leveln über Erfahrungspunkte auf. Falco’s Truppe sammelt nach Kämpfen Schatztruhen auf, in denen sich zufällige Dinge befinden. Darin können sich Upgrades für Statuswerte der Helden befinden, oder Aufwertungen für die Zauber der Helden. Man muss sich aussuchen welcher Held, welches Upgrade erhält. Rukyus Lebenspunkte werden nach jedem Kampf und ausgesaugtem Menschen erhöht (er hat keinen maximale Lebenspunkte-Grenze). Die Stärke seiner Zauber wird dabei dadurch beeinflusst, welche Monster ihn unterstützen. Spielerisch äußerst erfrischend und abwechslungsreich.
5 / 5

Musik und Soundeffekte

In Dark Half ist aufgrund der Teilung in 2 verschiedene parallele Kampagnen auch die musikalische Untermalung entsprechend aufgeteilt. Die Musik der Städte ist so wunderbar idyllisch und vieles wird friedlich untermalt, während die Musik von Rukyus Abenteuer richtig düster ist und auf jeden Fall nach Horror klingt.

Dark Half schafft es auch auf SFX Ebene zu begeistern, die Sounds klingen nämlich relativ realistisch, oft ein wenig brutal und auch traurig. Wenn Rukyu den armen Dorfbewohnern das Leben aussaugt, ertönt ein Sound, wie er passender kaum sein könnte. Besiegte Monster lassen ebenfalls einen charakteristischen Ton ab, genau wie alle Zauber.
4,5 / 5

Steuerung

Trotz isometrischer Perspektive kommt man intuitiv sehr gut mit der Steuerung klar. Nicht nur das, es gibt auch eine Controller-Konfiguration, wo sich einstellen lässt, ob das Drücken der UNTEN Taste den Spieler nach unten links oder nach unten rechts latschen lässt. Diagonal kann man nicht gehen, ist aber auch ein rundenbasiertes Spiel, daher nicht so relevant.

Es gibt eine Taste zum interagieren mit Objekten oder Personen und eine Taste fürs Menü.

Wie könnte man da nein zu einer Omi sagen?

Die Kämpfe sind rundenbasiert und es gestaltet sich alles recht durchschaubar. Aktionen, Zauber, usw. werden gewählt, dann werden die Ziele gewählt und man bestätigt. Mit L und R kann man den Radius der Zauber verkleinern bzw. vergrößern, je nachdem ob der Zauber ein entsprechend hohes Level hat.

Man kann die Charaktere im Kampf nicht individuell zu ihren Zielen gehen lassen. Dadurch, dass diese selbst ihren Weg suchen und meistens auch finden, kann man strategisch etwas weniger einwirken und reagieren.
4 / 5

Spaßfaktor

Da sich Dark Half aufgrund seiner inhaltlichen und spielerischen Unterschiedlichkeit von den anderen SNES Rollenspielen stark unterscheidet, ist dies bereits etwas, was enorm zum Spaßfaktor beiträgt.

Die Abwechslung, die beiderseitige Darstellung der Geschichte, das Verständnis der Motivation beider Seiten und die Auswirkungen bestimmter Aktionen machen das Spiel nicht nur interessant, sondern laden auch zu mehrfachem Durchspielen ein.

Da schreitet der Dämon auf ein Dorf zu… bei Nacht.

Da das Spiel obendrein noch fantastisch gestaltet wurde und ein konsistentes und atmosphärisches Bild bietet, kann ich kaum genug davon kriegen.

Der einzige Faktor, der selten mal die Freude trübt, ist die ordentliche Menge an Kämpfen. Andererseits waren häufige Kämpfe völlig normal in 90er Rollenspielen.
4,5 / 5

Bewertung und Fakten

Wow, ich bin richtig von den Socken, Dark Half hat es in meine persönliche top 5 der SNES RPGs geschafft. So eine Spielerfahrung kann man sonst nicht auf dem Super Nintendo machen. In kleinen Ansätzen könnte man Vergleiche zu einigen weniger guten SNES RPGs ziehen aber diese würden dem Spiel nicht gerecht werden, denn Dark Half ist um einiges besser.

Habe ich wohl genau im richtigen Jahr getestet.
  • Dicke Atmosphäre
  • Interessante Erzählweise
  • Viel Abwechslung
  • Strategische Kämpfe
  • Selten mal zu viel Kämpfe
  • Manchmal harte Rätsel

Die Kämpfe erfordern Köpfchen, hier und da werden kleine Entscheidungen getroffen. Die Dialoge haben manchmal was Tiefsinniges. Man sieht beide Seiten der Medaille. Die Musik rundet die Atmosphäre ab. Ich glaube nur Leute, die kategorisch alle Rätseleinlagen ablehnen, würden dieses Spiel nicht gut finden.

Dann gibt es noch dieses dezente Dungeon & Dragons Feeling. Kleinigkeiten, wie die Grafik, erinnern mich an Baldur’s Gate. Genau wie die Ausrüstung, die einfach ein +3 erhält, wenn man diese verbessert. Ich werde Gilbert vermissen. Er war ein guter Gefährte, auf den man sich immer verlassen konnte.

Genre: Rollenspiel
Preis: unklar
Schwierigkeit: Mittel

Atmosphäre / Story: 5 / 5
Grafik: 5 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 5 / 5
Musik und SFX: 4,5 / 5
Steuerung: 4 / 5
Spaßfaktor: 4,5 / 5

Gesamt: 4,67 / 5

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