Kleiner Ausflug in den Gunpla Modellbau

Oh ja ich und Modellbau… eigentlich gar nicht mein Ding. Aber nach dem ich schon so viele Gundam Spiele gezockt habe, obendrein vor kurzem die erste Mobile Suit Gundam Serie durchgeguckt habe und einen Artikel über die riesige Auswahl an Gundam Games für den SNES verfasst habe, wollte ich mir das Thema Gunpla mal genauer anschauen.

Was ist Gunpla?

Damit bezeichnet man den Gundam Modellbau. Das komische Wort „Gunpla“ ist eine Fusion aus den Worten „Gundam“ und „Plastic Model“. Hierbei handelt es sich um von Bandai produzierte Gundam Mech Bausätze, die in der Regel aus Plastik bestehen und in verschiedenen Maßstäben und Qualitätsstufen erhältlich sind. Verglichen mit den Produkten vieler anderer Modellbauhersteller, müssen die Gunplas nicht geklebt oder bemalt werden, es wird alles zusammengesteckt.

  • SD (für Super Deformed): Dies ist eine Art putzige Minivariante des Originals im Chibi Look. Eine SD Gundam Serie gibt es übrigens ebenfalls… Diese Figuren sind die kleinsten und billigsten, die meisten kann man für circa 7 € bis 12 € kaufen.
  • EG (für Entry Grade) & NG (No Grade): Kaum von HG unterscheidbar, nur sind diese Modelle ein wenig simpler als HG und haben kein (oder kaum) Zubehör. Preislich die günstigste Liga, bereits für circa 7 € bis 13 € das Stück erhältlich. Die Figuren sind circa 10 cm bis 11 cm groß.
  • HG (High Grade): Über 90 % der Gunpla Modelle gehören dieser Klasse an, vom Maßstab her sind sie 1/144 vom Original, ähnlich wie EG und NG. Preislich in der Spanne von circa 10 € bis 35 €, je nachdem wie viel Zubehör und so dabei sind. Haben meistens kein Endoskelett und sind circa 13 bis 14 cm groß.
  • RG (Real Grade): Auf den ersten Blick wie HG aber mit viel mehr Details, mehr Aufklebern und einem Endoskelett. Ebenfalls circa 13 cm bis 14 cm groß, preislich aber eher im Bereich von 30 € bis 60 €. Somit sehr viel schicker als HG. Deutlich mehr Fingerspitzengefühl nötig.
  • MG (Master Grade): Qualitativ circa wie RG und mit Endoskelett. Vom Maßstab her liegen diese bei 1/100, das bedeutet etwa 17 cm. Preislich liegen diese Modelle bei 35 € bis 70 €.
  • PG (Perfect Grade): Sehr viele Details und Endoskelett. Mit einem Maßstab von 1/60 wirkliche Riesenfiguren, die preislich so ab 100 € anfangen und bis circa 250 € gehen können. Dafür aber auch sehr viel Bastelzeit mit sich bringen, wahrscheinlich mehrere Wochenenden. Die Figuren sind circa 30 cm groß und vielleicht eher was für gemeinsames Basteln von Vater und Sohn 😉

Es gibt noch ein paar andere nicht-standard Grade aber diese sind sehr selten anzutreffen und eher sowas wie Spezialartikel. Das Preisspektrum je Grade variiert aber das geht auch in der Regel mit Qualität und Teileanzahl Hand in Hand. Vergleich man eines der Billigmodelle, wie den Gundam Spiegel, mit einem High Grade Modell im 20 € Bereich (hier ein Beispiel), sieht man schnell, dass diese deutlich mehr zu bieten haben. High Grade ist also nicht immer gleich High Grade.

Eine Erfolgsgeschichte

Obwohl dieses Hobby in Deutschland und in den meisten westlichen Ländern nicht besonders bekannt ist, war es für Bandai ein immenser Erfolg. Im Zeitraum von 1980 bis 2021 hat das Unternehmen knapp 715.000.000 Modelle verkauft. Im Durchschnitt bedeutet dies circa 17 Millionen Einheiten jährlich, seit 1980. Das ist ziemlich krass und dadurch umso merkwürdiger, dass Gunpla bei uns ziemlich unbekannt geblieben ist.

Das Steuerjahr April 2022 bis März 2023 war übrigens eines der erfolgreichsten Jahre überhaupt für die Gundam Marke, wahrscheinlich da die neuste Serie (Witch of the Mercury) gut ankommt.

Mein erster Gunpla Versuch

Ich war nicht sonderlich wählerisch und suchte mir ein billiges Modell der No Grade Schiene, also circa 10 cm groß. Meine Wahl fiel auf den Gundam Spiegel, den ich bereits aus dem Kampfspiel Kidou Butoden G-Gundam kenne. In der Geschichte von Mobile Fighter G-Gundam repräsentierte Gundam Spiegel das Land Neo Germany.

Es war eines der billigsten Angebote, die ich überhaupt finden konnte. Für 15 € inklusive Porto beim ebay-shop von stein-o-fant, im normalen stein-o-fant Shop gibt es dieses Modell nicht mehr, aber dafür andere aus der G-Gundam Serie, sogar für lediglich 9,99 € inklusive Porto. Das ganze kommt in einer schick bedruckten Pappverpackung, typisch für Modellbausätze.

Die Abwicklung lief seitens stein-o-fant einwandfrei, daher kann ich den Shop weiterempfehlen, auch wenn ich keinen Cent für diese Werbung erhalte und die Gunpla Auswahl insgesamt eher klein ausfällt, doch von den billigen Einsteigermodellen gibt es dort noch genug.

Zusammenbauen

Im Karton befinden sich dann die Bauteile, die man noch aus ihren Formen trennen muss. Beiliegend ist eine Anleitung auf Japanisch. Aber auch ohne Japanisch Kenntnisse kommt man einfach damit klar, da die Zeichnungen sehr verständlich gestaltet sind.

Eine der ersten kleinen Herausforderungen ist das Heraustrennen der Einzelteile. Denn diese sind teilweise recht fest mit der Form verschmolzen, somit empfiehlt es sich ein Skalpell zur sauberen Trennung zu nutzen. Die Bauteile sind relativ empfindlich (verglichen mit Lego), wodurch es durchaus passieren kann, dass diese brechen können. Beim Herausbrechen aus den Formen entstehen häufiger diese spitzen Abbruchstellen (siehe Bild unten), welche unästhetisch sind und entfernt werden sollten. Mir lag dazu kein Werkzeug vor, aber ein Skalpell, eine Feile oder eine Art Abknippszange würde ich definitiv empfehlen.

Insgesamt fühlt sich das Aufbauen des Gundam Spiegels ungefähr so an, als würde ich ein Klemmbaustein Set zusammenbauen, denn eigentlich fügt man die Teile einfach nur so zusammen, wie es die Anleitung vorgibt, genau wie bei Lego und Konsorten, nur dass man hiermit kein Spielzeug zusammenbaut, sondern ein empfindliches Plastikmodell. Ich fand es interessant zu sehen, auf welche Weise die Gelenke zusammengebaut werden müssen und würde gerne mal sehen, wie das mit einem Gunpla abläuft, welches ein Endoskelett hat.

Weiteres Zubehör

Gunpla kommt generell mit dem Vorzug, dass man nichts kleben oder anmalen muss, sondern einfach nur alles zusammenstecken brauch. Aber das heißt ja nicht, dass man nicht trotzdem ein wenig handwerkliches oder künstlerisches Geschick zeigen darf, wenn man will.

So gibt es allerlei offizielles Werkzeug, um die Teile möglichst sauber aus ihren Formen zu kriegen aber auch Farben, Spraydosen und Filzstifte, damit die Modelle einen ordentlichen Metallic Look kriegen und zudem noch allerlei Dekorationsobjekte, wie Gebäude, Container und Hinstellplattformen, damit die Figuren stabil stehen und ihre Pose einbehalten können.

Die Unterschiede, wenn man ein bisschen Farbe einbaut können enorm sein, wie ein Vergleich zwischen normalem Red Comet und dem bearbeiteten Beispiel GundamBro gut beweist.

Kein Spielzeug?!

Dieses kleine Modell des Gundam Spiegel ist nicht zum Spielen geeignet, ich tippe mal, dass es sich bei den größeren Modellen genauso verhält. Je nachdem, in welcher Haltung ich das Modell positioniere, kann nämlich hin und wieder mal ein Teil im Hüftbereich abspringen.

Offiziell steht auch wirklich auf den Kartons drauf, dass es sich nicht um Spielzeuge handelt und dass verschluckbare Kleinteile dabei sind… mmh Kleinteile.

Fazit

Der gesamte Aufbauprozess hat mich circa 100 – 120 Minuten gekostet, also deutlich länger als für ein gleichpreisiges Klemmbausteinset. Ich habe mir aber viel Zeit gelassen und ein wenig mit den Aufklebern gekämpft, genau wie mit dem Herausbrechen der Teile. Insgesamt bin ich jedoch zufrieden mit diesem allerersten Ergebnis. Sollte ich jemals wieder einen Gunpla Bausatz kaufen, würde ich aber eine Feile, ein Skalpell oder eine Abknippszange organisieren, um die Abbruchstellen sauberer zu gestalten. Obendrein ist eine Pinzette ziemlich nützlich, um die teilweise sehr kleinen Aufkleber an die richtig Stelle zu befördern. Mit dem richtigen Werkzeug dauert das Zusammenbauen wahrscheinlich nur halb so lange, wie in meinem Fall.

Dies war nun ein No Grade Gunpla mit circa 10 cm – 11 cm Größe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die HG oder RG Modelle noch mehr Freude bereiten. Doch für eine Kostprobe war das mehr als ausreichend. Insgesamt wahrscheinlich ein nettes Hobby, welches sich anspruchsvoller gestaltet als Klemmbausteine aber nicht so anspruchsvoll, dass man sein Modell völlig ruinieren könnte, durch schlechtes Kleben oder eine misslungene Bemalung.

Ich kann Gunpla Modellbau empfehlen, für jeden der eine entspannte handwerkliche Beschäftigung zu schätzen weiß. Die Tatsache, dass man mit relativ wenig Geld eigentlich gut einsteigen kann, ist definitiv ein weiterer Pluspunkt. Speziell wenn man das mal mit den auftretenden Kosten für Warhammer, Trading Card Games oder Eisenbahn-Modellbau vergleicht, so ist man hier auf einer der sparsamsten Schienen unterwegs.

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Gunpla G-Gundam Spiegel 1/144
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