Super Turrican NTSC Modul

Super Turrican

Was wäre, wenn Mega Man richtig overpowered wäre und auf dem Bildschirm so viel los wäre, wie der Super Nintendo hergibt? Genau, Super Turrican. Ballern ohne Ende, haufenweise Gegner, ein gigantischer Killcount und Projektile die den kompletten Bildschirm füllen. Ende 1993 brachte das deutsche Entwicklerstudio Factor 5 Super Turrican für den Super Nintendo heraus. Die vorigen Teile für den Nintendo und diverse andere Systeme waren dafür bekannt, das Maximum aus den jeweiligen Systemen herauszukitzeln, schafft Super Turrican das ebenfalls?

Atmosphäre / Story

Die U.S.S. Freedom Force leistet Planet Katakis seine Hilfe, Soldaten schlüpfen in ihre Turrican Anzüge und ballern den Planeten frei. Die böse „Machine“ terrorisiert und herrscht über die Planetenoberfläche und die Einwohner des Planeten ziehen sich zurück ins Planeteninnere. Eine ziemlich chaotische Story, die auch chaotisch umgesetzt wurde, denn von den Katakianern kriegt man nichts mit.

Der gestreifte Planet Katakis…

Die gesamte Stimmung ist ziemlich abgedreht, denn bei Super Turrican, erlebt man so ziemlich alles, was man in einem actionreichen Jump and Run so erleben kann. Lava, Eis, fliegende Gegner, matschige Gegner, Mechs, undefinierbare Gegner, Aliens. Man streift durch wüstes Gebiet, verschneite Gebirge, mittelalterlich anmutende Ruinen aber auch total technische Hightech Fabriken und Basen. Irgendwie erinnert mich das ein wenig an Time Slip, wo man aber aufgrund von Zeitsprüngen durch verschiedene Szenarien streift, während hier alles auf einem Planeten passiert.

Konsistent ist das Bild dadurch nicht, gerade auch da man nicht wirklich mehr über die Absichten der Bösen erfährt und auch nichts zum Schicksal der Katakianer. Die extrem verschiedenen Orte erwecken das Gefühl, dass man sich nicht entscheiden konnte, wie genau das Setting für Super Turrican aussehen soll aber vielleicht sollte dies auch einfach zum abgedrehten Gesamtbild beitragen. Ich empfand nur wenige Level, von der Stimmung her, als ansprechend.
2,5 / 5

Grafik

Die gemeine Wand von links kommt näher…

Der Grafikstil hat etwas durchweg überdrehtes, wie auch das Gameplay an sich. Es ist alles hell und sieht nach buntem Kinderspiel aus aber es ist ein hardcore Action Spiel. Der Stil hat etwas Inkonsistentes, ist aber in dieser Inkonsistenz durchweg konsistent. Die Eiswelt hingegen ist stilistisch sehr konsistent.

Alle Bewegungen und Animationen laufen flüssig ab, trotz der wirklich vielen Sprites auf dem Bildschirm, was mich echt beeindruckt hat.

Was ich nicht verstanden habe ist, warum das Spiel stilistisch nicht eher in Richtung Alien (egal ob Filme oder Spiele) geht oder in Richtung Probotector, bei dem alles düsterer ist, rostiger und auf eine verwüstete Welt hindeutet. Diese Welt hingegen ist wie auf Steroiden und Pilzen gleichzeitig mit einer hellen abenteuerlich-fröhlichen Stimmung.

Die Endgegner sehen gut aus und die detaillierten Sprites, machen die Gegner erinnernswert. Ich glaube am einfachsten wäre es zu sagen, dass Super Turrican wie ein DOS oder Amiga Spiel aussieht und das war es ursprünglich auch.
3,5 / 5

Spielmechanik / Gameplay

Die Endgegner sind alle immer ziemlich groß.

Spielerisch ist das Spiel eine Art Zwischending aus Mega Man, Metroid und Probotector. Die Steuerung erinnert sehr an Mega Man, springen und schießen. Mit den normalen Schusswaffen ist lediglich horizontales Ballern möglich. Mit der Zweitwaffe, dem Eisstrahl kann man in sehr fein abgestuften Schritten um sich herum Gegner einfrieren. Warum die eine Waffe nur nach vorne schießen kann, die andere in alle Richtungen ist etwas merkwürdig aber man gewöhnt sich daran.

Zusätzlich gibt es noch einen Bildschirm säubernden Spezialangriff, der einfach alles trifft. Ganz schön viel, oder? Es gibt noch mehr! Denn der Super Turrican kann sich exakt wie Metroid, über den Boden rollen und dabei Bomben legen. Leider wird dieser Ball-Modus irgendwie nicht richtig benötigt – man kann aber muss nicht. Mit dem Eisstrahler verhält es sich genauso.

Raketen, Explosionen, Gegner…

Die Umgebung hat Auswirkungen auf den Spieler, so rutscht man, watscht durch Abflüsse, muss gegen Winde anlaufen usw. was das Gameplay etwas abhebt von manch anderen Spielen. Dennoch liegt die Spielmechanik dank mangelndem Fokus eher im Mittelmaß.
3 / 5

Musik und Soundeffekte

Super Turrican ist eines dieser Spiele die einen ganz eigenen Sound haben, in Zusammenhang mit einem Run and Gun, finde ich den Klang etwas befremdlich, da er ziemlich lebhaft-fröhlich ist aber auch gleichzeitig futuristisch-abenteuerlich. Die Kompositionen sind durchweg dramaturgisch schön und stimmig und durchaus komplex. Tatsächlich insgesamt sogar so gut, dass ich mir den Soundtrack gelegentlich bei der Arbeit anhöre.

Was die SFX angeht, macht Super Turrican einen guten Eindruck, auch wenn die Ballersounds teilweise ein wenig das auditive Gesamtbild dominieren, allerdings bei weitem nicht so störend wie bei Universal Soldier.
4,5 / 5

Steuerung

Springen und schießen läuft ziemlich ähnlich wie bei Mega Man ab, nur dass der liebe Herr Turrican ein gutes Stück höher springen kann, irgendwas ist an der Art wie er springt etwas schwammig. Durch das rein horizontale schießen, kann man wenig falsch machen, was die Ballerei angeht.

Die Drehung des Eisstrahlers funktioniert optisch schön aber manchmal etwas zu langsam, wodurch dieser automatisch eher seltener genutzt wird. Die Steuerung der Metroid-Rolle ist sehr gewöhnungsbedürftig, da der Protagonist automatisch rollt und nie stehen bleibt.

Das Spiel ist voller Geheimwege.

Ein persönlicher Hasspunkt ist für mich, dass der Bildausschnitt den Turrican nicht richtig in die Mitte setzt, wenn man schnell nach rechts läuft, kann es vorkommen, dass man sich im letzten Drittel befindet. Ebenso wenn man die Blickrichtung wechselt, schwenkt diese merkbar, wozu dieser Schwenker gut sein soll, weiß ich nicht. Ohne wäre es besser gewesen. Ich bin mir nicht sicher, ob es am großen Fernseher liegt aber diese Schwenker verursachen bei mir gelegentlich Kopfschmerzen und Motion-Sickness. Ein Phänomen, dass ich sonst nur kannte von der Spieleentwicklung für die HTC Vive.
2,5 / 5

Spaßfaktor

Super Turrican kann Spaß machen. Auch, wenn es für meinen Geschmack viele ausbaufähige Dinge gibt. Auf dem Screen ist immer ziemlich viel los, wodurch das Spiel häufig überladen wirkt, andererseits muss man sich gar nicht mit allem auseinandersetzen. Dadurch werden einige Dinge irgendwie prioriätsarm und somit irrelevant.

Ziemlich häufig ist man damit konfrontiert, dass einfach zu viele Waffenupgrades vor einem liegen, da will man das rote Upgrade nehmen, um seinen Streuschuss zu verbessern und nimmt dann versehentlich die blaue Schussart mit auf, was man gar nicht wollte. Das passiert ständig. Die Bosskämpfe sind nice aber es gibt relativ wenige davon, was schade ist und der Dramaturgie etwas schadet.

Die Schneebälle rollen was das Zeug hält.

Das offene Leveldesign lässt einem Optionen offen, wie man zum Ende des Levels gelangt, dadurch spielt sich das Spiel eigentlich jedes Mal ein wenig anders, was gut ist. Bei anderen derartigen Spielen ist es sehr wichtig, sehr genau vorzugehen und im Grunde die Level auswendig zu kennen und wo welcher Gegner steht und wie dieser schießt. Bei Super Turrican hingegen sind viele Passagen geradezu mit Gegnern überladen, was dazu führt, dass die auch eine gewisse Redundanz haben und es wirkt teilweise so, als hätte man die Gegner „irgendwie“ platziert.
3 / 5

Bewertung und Fakten

Wer auf Barbies steht, der hat bei Super Turrican nichts verloren. Hier wird geballert und zwar richtig viel, sehr viel mehr als bei Super Probotector. Es hat einen außergewöhnlichen Stil. Jeder der auf sowas steht, wird hier seine Freude dran haben, auch wenn man merkt, dass diese Portierung ausbaufähige Aspekte hat.

Die Kamera verursacht leider Übelkeit und Kopfschmerzen.

Ich hätte mir etwas mehr Handlung gewünscht und mehr Endgegner. Was dieses Spiel besser macht als seine Konkurrenten, ist die Spiellänge. Das Spiel hat circa die zwei- bis dreifache Spielzeit von Super Probotector.

Aus irgendeinem Grund gibt es kein Passwortsystem, so muss man sich mit dem Level Skip Cheat helfen, um nicht immer von vorne anfangen zu müssen. Um diesen auszuführen, muss man während man im Pause Modus ist folgendes drücken: RECHTS, LINKS, UNTEN, RECHTS, A, START. Damit springt man einen Level weiter… und leider war ich teilweise gezwungen dies zu nutzen, da die Kamera-Schwenker, die bei mir Motion-Sickness auslösen, überwiegend bei den sehr offenen Stages auftreten. Die lineareren Leven, wie das Eis-Level, konnte ich ganz gut so spielen. Es ist aber definitiv kein guter Aspekt an dem Spiel, wäre diese nervige Kamera-Schwenkerei nicht, hätte ich garantiert eine bessere Wertung für die Steuerung gegeben und somit auch für den Spielspaß, denn so war das Spiel für mich persönlich schwer genießbar.

Genre: Run and Gun
Preis: circa 50 € bis 70 € (für ein original PAL Modul auf ebay)
Die US-Version ist für circa 35 € bis 50 € erhältlich.
Schwierigkeit: Mittel bis Schwer

Atmosphäre / Story: 2,5 / 5
Grafik: 3,5 / 5
Spielmechanik / Gameplay: 3 / 5
Musik und SFX: 4,5 / 5
Steuerung: 2,5 / 5
Spaßfaktor: 3 / 5

Gesamt: 3,17 / 5

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